Wawel
Der Wawel ist einer der bedeutendsten und symbolträchtigsten Orte Polens. Auf einem Kalksteinhügel über der Weichsel in Krakau gelegen, diente er jahrhundertelang als Residenz der polnischen Könige.
Das Königsschloss
Das Wawel-Schloss war vom 11. bis zum 17. Jahrhundert die Residenz der polnischen Herrscher. Heute beherbergt es ein Museum mit wertvollen Sammlungen — darunter Tapisserien, Kunstwerke und ehemalige Königsgemächer.
Die Wawel-Kathedrale
Neben dem Schloss steht die Kathedrale der Heiligen Stanislaus und Wenzel — ein Ort der Krönung und Bestattung polnischer Könige sowie bedeutender Nationalpersönlichkeiten wie Adam Mickiewicz und Józef Piłsudski.
Der Wawel-Drache
Der Legende nach lebte einst ein Drache in einer Höhle unter dem Hügel, der vom findigen Schuster Skuba besiegt wurde. Heute steht am Fuß des Hügels eine Drachenskulptur, die sogar „Feuer speit". Der Wawel ist einer der meistbesuchten historischen Orte Polens und ein Symbol der Geschichte der Nation.
Marienkirche
Die Marienkirche in Krakau (Basilika Mariä Himmelfahrt) wurde im 14. Jahrhundert an der Stelle eines früheren romanischen Tempels errichtet. Sie ist eines der bedeutendsten gotischen Denkmäler Polens. Das Innere ist mit dem berühmten Altar von Veit Stoß aus dem späten 15. Jahrhundert geschmückt — dem größten gotischen Holzaltar Europas. Vom höheren Turm wird jede Stunde der Hejnał mariacki geblasen, der an die Legende eines Wächters erinnert, der die Stadt vor einem Tatarenangriff warnte.
Hauptmarkt & Tuchhallen
Der Hauptmarkt
Der Hauptmarkt in Krakau wurde 1257 nach der Verleihung des Magdeburger Stadtrechts angelegt. Er ist einer der größten mittelalterlichen Plätze Europas und war jahrhundertelang das Zentrum des Handels sowie des gesellschaftlichen und politischen Lebens der Stadt.
Die Tuchhallen (Sukiennice)
Die Tuchhallen befinden sich im Zentrum des Hauptmarktes und wurden im 13. Jahrhundert als Handelsplatz für Tuch und andere Waren errichtet. Ihr heutiges Renaissance-Aussehen geht auf einen Umbau im 16. Jahrhundert zurück. Heute beherbergen sie Souvenirläden und eine Filiale des Nationalmuseums.
Tauben auf dem Hauptmarkt
Auf dem Krakauer Hauptmarkt gehören zahlreiche Tauben zum unverwechselbaren Stadtbild. Die Vögel bewegen sich frei über den Platz, fliegen Touristen auf der Suche nach Krümeln an und ihr charakteristisches Gurren verleiht dem historischen Zentrum eine einzigartige Atmosphäre.
Polnische Kroninsignien auf dem Wawel
Die polnischen Kroninsignien waren Symbole der monarchischen Macht bei Krönungen und wichtigen Staatsfeierlichkeiten. Jahrhundertelang wurden sie auf dem Wawel-Schloss als greifbares Zeichen der Souveränität des Königreichs Polen aufbewahrt.
Die wichtigsten Insignien
- Die Königskrone — die sog. Krone Chrobrys, im 14. Jh. angefertigt, ab der Krönung Władysław Łokieteks 1320 verwendet
- Das Zepter — Symbol der Macht und Gerechtigkeit
- Der Reichsapfel — Symbol der Herrschaft über die christliche Welt
- Das Krönungsschwert Szczerbiec — das einzige erhaltene Original-Insignium
Wawel als Kronschatz
Ab dem 14. Jahrhundert wurden die Insignien im Kronschatz auf dem Wawel aufbewahrt. Sie galten als Staatseigentum, nicht als persönlicher Besitz des Monarchen. Jeder neu gekrönte König musste dieselben Insignien verwenden, was die Kontinuität der Königsmacht betonte.
Zerstörung der Insignien
Nach der dritten Teilung Polens 1795 wurden die Insignien auf Befehl des preußischen Königs nach Berlin gebracht. 1809 wurden sie eingeschmolzen, um die Symbole der polnischen Staatlichkeit zu tilgen. Das einzige erhaltene Original ist das Krönungsschwert Szczerbiec.
Szczerbiec
Der Szczerbiec ist das historische Krönungsschwert der polnischen Könige — eines der wertvollsten Reliquien der polnischen Kroninsignien. Heute wird es auf Schloss Wawel in Krakau aufbewahrt.
Herkunft: Das Schwert datiert auf die Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert. Der Legende nach gehörte es einst Bolesław I. dem Tapferen, der angeblich die Klinge am Goldenen Tor in Kiew einkerbt — daher der Name „Szczerbiec" (das gekerbte Schwert).
Krönungsfunktion: Erstmals bei der Krönung Władysławs I. 1320 in Krakau verwendet, diente es bis ins 18. Jahrhundert als offizielles Krönungsschwert.
Teilungen und Rückkehr: Nach der dritten Teilung Polens wurden die meisten Insignien eingeschmolzen. Der Szczerbiec war das einzige Stück, das überlebte. Im 19. Jahrhundert gelangte er nach Russland und kehrte 1928 gemäß dem Vertrag von Riga nach Polen zurück.
Erscheinung und Symbolik: Der Szczerbiec ist reich verziert — auf Klinge und Griff befinden sich lateinische Inschriften sowie christliche und magische Symbole. Er war keine Kampfwaffe, sondern ein zeremonielles Emblem der königlichen Macht und der Kontinuität des polnischen Staates.
Der Wawel-Drache
Der Wawel-Drache ist eine berühmte Skulptur am Fuß des Wawel-Hügels in Krakau, an der Weichsel. Sie wurde von Bronisław Chromy erschaffen und 1972 enthüllt. Alle paar Minuten schlagen echte Flammen aus dem Maul des Drachen — das macht ihn zur großen Touristenattraktion. Der Drache ist etwa 6 Meter hoch und eines der bekanntesten Symbole Krakaus.
Die Legende vom Wawel-Drachen
Vor langer Zeit lebte unter dem Wawel-Hügel ein furchterregender Drache, der die Bewohner Krakaus terrorisierte. Er fraß Vieh und manchmal sogar Menschen. Der König versprach eine Belohnung demjenigen, der das Ungeheuer besiegen würde. In der bekanntesten Version bereitete der Schuster Skuba ein mit Schwefel gefülltes Schaf vor. Der Drache fraß es und spürte bald einen unbezähmbaren Durst. Er trank so lange Wasser aus der Weichsel, bis er schließlich platzte. Die Stadt war gerettet, und der Drache wurde zum Symbol Krakaus.
Die Legende vom Lajkonik
Die Legende vom Lajkonik ist mit der Stadt Krakau verbunden und geht auf die Tatareneinfälle des 13. Jahrhunderts zurück. Der Erzählung zufolge näherten sich die Tataren nachts der Stadt. Als sie an der Weichsel Halt machten, wurden sie von wachsamen Flößern (den sogenannten Włóczkowie) entdeckt. Die Flößer überraschten die Eindringlinge und besiegten sie, bevor sie Krakau angreifen konnten. Nach dem Sieg verkleidete sich einer der Flößer als tatarischer Anführer, bestieg ein Pferd und ritt triumphierend in die Stadt.
Die Bürger empfingen ihn mit Freude und begannen, ihm Geschenke anzubieten. Zum Gedenken an dieses Ereignis zieht jedes Jahr in der Oktav von Fronleichnam der Lajkonik-Umzug durch Krakaus Straßen — ein Reiter im Tatarenkostüm auf einem Schaukelpferd, der Passanten mit einem Zeremonialstab berührt, um ihnen Glück zu bringen.
Die Legende von Pan Twardowski
Die Legende von Pan Twardowski ist eines der bekanntesten polnischen Volksmärchen. Pan Twardowski war ein Edelmann und Zauberer, der nach Wissen und übernatürlicher Macht strebte. Dafür schloss er einen Pakt mit dem Teufel — er würde seine Seele hergeben, aber nur, wenn er sich in Rom befinde. Mit des Teufels Hilfe erlangte er Reichtum und Ruhm am Hof König Sigismunds II. August. Der Legende nach beschwor er sogar den Geist der verstorbenen Königin Barbara Radziwiłł, um den König zu trösten.
Nach vielen Jahren kam der Teufel, um seine Seele einzufordern. Sie trafen sich in einer Herberge namens „Rom". Die Bedingung war erfüllt — Twardowski war in „Rom". Der Teufel ergriff ihn und begann, ihn in die Hölle zu tragen. In diesem Moment betete Twardowski zur Jungfrau Maria. Dadurch landete er nicht in der Hölle — der Legende nach fiel er auf den Mond, wo er bis heute weilt. Die Legende lehrt, dass man das Böse nicht täuschen oder den Konsequenzen seiner Taten entkommen kann.
Dame mit dem Hermelin
Das Gemälde Dame mit dem Hermelin ist eines der bekanntesten Werke Leonardo da Vincis. Es entstand um 1489–1490 in Mailand. Das Porträt zeigt Cecilia Gallerani, eine junge Aristokratin und Geliebte von Ludovico Sforza, Herzog von Mailand. Das Hermelin in ihren Armen symbolisiert Reinheit und verweist zugleich auf Ludovico selbst, dem der Orden des Hermelins verliehen worden war.
Anfang des 19. Jahrhunderts erwarb Fürst Adam Jerzy Czartoryski das Gemälde in Italien für die Sammlung seiner Mutter, Fürstin Izabela Czartoryska. Im Zweiten Weltkrieg wurde es von den Deutschen geraubt und gelangte u. a. in die Hände von Hans Frank. Nach dem Krieg kehrte es nach Polen zurück. Es wird im Czartoryski-Museum in Krakau ausgestellt. 2016 wurde die Czartoryski-Sammlung samt dem Gemälde vom polnischen Staat erworben.
Der Krakowiak
Der Krakowiak ist einer der bekanntesten traditionellen polnischen Volkstänze, der in der Region Małopolska, insbesondere um Krakau, entstanden ist. Es ist ein lebhafter Paartanz im 2/4-Takt, ausgezeichnet durch energetische Schritte, Drehungen und ausdrucksstarke Gesten, die Freude und Stolz symbolisieren. Der Krakowiak entstand im 18. Jahrhundert als bäuerlicher Tanz und wurde bald in ganz Polen beliebt. Er inspirierte viele polnische Komponisten, darunter Fryderyk Chopin, der Krakowiak-Motive in seine Klavierwerke einfließen ließ. Der Tanz ist auch für seine farbenfrohen Kostüme bekannt: Männer tragen Sukmanen, Hüte und Schärpen; Frauen Röcke, Mieder und Korallenketten.
Blumen im Werk von Wyspiański
Im Werk von Stanisław Wyspiański spielen Blumen — insbesondere Stiefmütterchen und Kapuzinerkresse — symbolische Rollen. Stiefmütterchen werden mit kindlicher Unschuld und der Vergänglichkeit des Lebens assoziiert, während Kapuzinerkresse Freude, Vitalität und Lebendigkeit symbolisiert. Wyspiański verwendete diese Motive sowohl in Porträts als auch in Dekorationswerken. In Krakau kann man das Wyspiański-Museum besuchen, berühmte Buntglasfenster bewundern sowie Mosaiken und Wandmalereien, die von seinem Werk inspiriert sind.
Traditioneller Krakauer Obwarzanek
Traditionelle Krakauer Obwarzanki sind charakteristische brezelähnliche Backwaren, bekannt für ihre runde Form und Beläge wie Mohn, Sesam, Salz oder Zucker. Ihre Geschichte reicht mindestens ins 17. Jahrhundert zurück, mit der frühesten Erwähnung von 1394, als König Władysław Jagiełło den Straßenverkauf in Krakau erlaubte. Ein wesentlicher Teil der Zubereitung ist das kurze Abbrühen des Teigs vor dem Backen, was dem Obwarzanek seine einzigartige Textur verleiht. 2010 wurde er in die Liste der traditionellen polnischen Produkte aufgenommen. Heute ist der Obwarzanek ein Symbol Krakaus und wird von Straßenhändlern in der ganzen Stadt verkauft.